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Vater Josef - Hausmann an der Krippe

Weihnachtliches Grußwort von Dechant Dieste

Dechant Josef Dieste

 

Sie sind "Zeichen der Menschwerdung unseres Herrn Jesus Christus!" Es handelt sich dabei um einen dicht gewalkten braunen Wollstoff, der wohl Teil eines größeren Gewandes ist.

Doch das wird den frommen Beter im Augenblick des Zeigens des Heiligtums gar nicht interessieren. Er spürt in diesem Augenblick weihnachtliche Gefühle in sich und denkt nach, was es heißt: "Gott ist Mensch geworden und hat unter den Menschen gewohnt".

Das kleine Kind, das geboren ist, muss umsorgt werden, es braucht Windeln, es braucht die Liebe der Mutter, es braucht den sorgenden Vater. Und auch ein Gotteskind, das ganz und gar Mensch wird, braucht all das! Und so zeigen die Krippendarstellungen Ochs und Esel, die mit ihrem Atem das Neugeborene wärmen; es schwirren neugierige Engelein, auch Engel, die singen und musizieren, sind da. Sie singen das Schlaflied.

Alles dreht sich eben um das Baby in der Krippe, wie in einer richtigen Familie. In den Familien dreht sich bis heute alles um Weihnachten, also eigentlich um das Kind in der Krippe.

Für den Hl. Josef fängt mit der Geburt des Kindes die väterliche Sorge erst an – auch seine Arbeit für die junge Familie.

"Der Josef zieht sein Hemd gleich aus und macht dem Kind drei Windlein draus..." So sang man in Franken zur Weihnacht, denn für das Volk war der Hl. Josef nie der unbeteiligte Randsteher.

Vermutlich entstand diese Legende im Umfeld der Aachener Heiligtümer. Bis ins 17. Jhdt. wurden die "Windeln Jesu" lang über einer Tragstange hängend den Gläubigen gezeigt. Das erinnerte wohl sehr an aufgeschnittene Hosenbeine. In der Malerei wurde diese volksfromme Geschichte von "Josefs Hosen" immer wieder dargestellt. Das Altarbild (um 1456) in der Frauenkirche Sterzing (Südtirol) zeigt Josef, wie er seinen linken Strumpf auszieht, der rechte liegt schon als Windel bereit. Auf einem anderen Bild (Meister von Hohenfurt, um 1340); bereitet Josef mit der Hebamme das Bad vor. Er gießt Wasser in den Bottich, sie prüft die Temperatur. Conrad von Soest malt den Hl. Josef wie er pustend ein Feuer entfacht, auf dem die Mahlzeit für Mutter und Kind zubereitet wird. (Wildunger Altar 1403/04).

So versuchten sich die Menschen des späten Mittelalters das Weihnachtsgeschehen verständlich zu machen: aus dem täglichen Leben Vertrautes und Bekanntes lässt das unfassbare Geschehen von Menschwerdung Gottes begreifbar werden. Josefs nebensächliches Tun führt zur Herzensmitte der Gläubigen.  

Allen Menschen guten Willens eine gute und gesegnete Adventszeit und ein gnadenreiches, frohes Weihnachtsfest!

Josef Dieste